Chronik  der Freiwilligen Feuerwehr Großostheim

Der Anlass für die Gründung war, dass die Pflichtfeuerwehr 1867 bei einem Brand an der „Wern" wieder einmal mal ihre Aufgabe nicht erfüllen konnte und zwei Scheunen mit Stallungen niederbrannten. Die Führung der damaligen Pflichtfeuerwehr Seilermeister Josef Wagner und Schmiedemeister Jakob Krimm regten unter dem Eindruck dieses Versagens an, eine „Freiwillige Feuerwehr“ ins Leben zu rufen.

Im Frühjahr 1868 beriefen sie daher eine Anzahl junger Ortsbürger ins Gasthaus »Zum Ochsen« zu einer Besprechung ein. Ihr Vorschlag, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, wurde sofort angenommen. Der eigentliche Gründungsakt dauerte noch bis zur Einberufung einer Gründungsversammlung im September 1868. Die Verpflichtung zum Feuerlöschdienst wurde mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr nicht aufgehoben und bestand auch weiterhin.

Als Führung wurden folgende Bürger gewählt: Franz Jäger als Kommandant, Jakob Nöthig als sein Adjutant (Stellvertreter) und Josef Sattig zum Spritzenführer. In einem alten Sitzungsbuch der Marktgemeinde wurde festgehalten, dass der Gemeinderat am 18. Oktober 1868 beschlossen hat eine Freiwillige Feuerwehr in Großostheim zu gründen. Damit war die offizielle Gründung vollzogen. In das Vereinsregister der Gemeinde wurde die Freiwillige Feuerwehr dann am 14. November 1868 eingetragen.

Auszug aus dem Vereinsregister des Marktes Großostheim

Leider ist die Vereinssatzung aus dem Gründerjahr nicht mehr vorhanden. Auch in den Anfangsjahren war die Zweiwertigkeit der Feuerwehr als gemeindliche Einrichtung und zugleich öffentlicher Verein nicht vorhanden. Die wenigen Geschäfte, als Vereinsführer wie das Abhalten der Generalversammlung und das Kassenwesen wurden vom Kommandant durchgeführt. Offensichtlich wurde auch kein Schriftführer gewählt der ein Protokollbuch führte. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass das Protokoll durch einen Gemeindeschreiber geführt wurde.

In einer Jahresstatistik des damaligen „Bayerischen Landes-Feuerwehrverbandes" und dessen „Kreisfeuerwehrverbandes Unterfranken" und in den „Bezirksfeuerwehrverbänden Alzenau und Aschaffenburg" (heute "Kreisfeuerwehrverband Aschaffenburg") wird auf Grund der Eintragung beim Amtsgericht Aschaffenburg der 28.11.1868 als Gründungsdatum aufgeführt. Damit ist Großostheim nachweislich die älteste, amtlich registrierte „Freiwillige Feuerwehr" im heutigen Landkreis Aschaffenburg.

Sie wurde gegründet zu einem Zeitpunkt, als Großostheim nur 3.056 Einwohner hatte. Die mit vier Türmen besetzte Ortsmauer umschloss noch den Ort. Die von Torwächtern bewachten und nachts geschlossenen Torhäuser regelten den Ein- und Austritt. Die Einführung der Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen war
gerade erst ein Jahr her. Die Erlaubnis, ein Haus außerhalb der Ortsmauern zu erbauen, wurde erstmals, zwei Jahre später erteilt.

Von den Einwirkungen des 1. Weltkrieges im August 1914 blieb auch die Feuerwehr Großostheim nicht verschont. 26 Feuerwehrleute wurden eingezogen. Die Übungen wurden eingestellt, nur einige Ältere sorgten für die Instandhaltung der Geräte und versahen den Löschdienst. Nach Kriegsende kehrte nur langsam wieder die Normalität ein.

Durch die Machtübernahme von Adolf Hitler (1933) gab es auch bei der Feuerwehr tief greifende Veränderungen. Die Übungen nannte man in  „Appelle“ um. Sie wurden militarisiert und auf Sonntagmorgen, zum Zeitpunkt des Gottesdienstes, verlegt.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Freiwilligen Feuerwehren zu technischen Hilfspolizeitruppen. Sie mussten im Auftrag der Ortspolizeiverwaltung beim Landratsamt, Gefahren abwehren. 1942 wurde Georg Flügel auf Befehl des Landrates in seiner Funktion als Großostheimer Wehrführer eingesetzt.

Am 27. Juni 1939 hielt die Motorisierung mit der ersten Motorspritze (TS 8/8) in einem  einachsigen Anhänger (TSA) Einzug in die Feuerwehr Großostheim. 1943 folgte das erste Löschfahrzeug ein sogenanntes leichtes Löschgerät (LLG).  Beide Löschgeräte waren Bestandteil der "Fernbereitschaft Aschaffenburg" die in den folgenden Kriegsjahren wegen der zahlreichen Fliegerangriffen der Alliierten auf deutsche Städte und kriegswichtige Einrichtungen 25 mal zu sogenannten Ferneinsätzen ausrückten.

Am 25. März 1945 (Palmsonntag marschierten die amerikanischen Streitkräfte in Großostheim ein. Die Feuerwehrausrüstung und das Gerätehaus wurden beschlagnahmt. Die Feuerlöschpolizei wurde aufgelöst. Achsel-, Dienstgradabzeichen und weitere Nazi-Symbole mussten entfernt werden. Die Wehrführer während des "Dritten Reiches", wurden aus der Feuerwehr ausgeschlossen und in das Entnazifizierungslager nach Hammelburg gebracht.

Der Feuerwehrdienst der über 40 Freiwilligen Feuerwehrleute ruht mehrere Wochen. Der erste Auftritt der Feuerwehr war die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession. Am 3. Oktober wurde das Gerätehaus wieder übergeben. Die erste Dienstversammlung fand am 7. Oktober statt 1945.

Ein Brand am 16. Mai 1950, im neuen Ortsteil Ringheim, zeigte, dass dort schnellstens Geräte und Schläuche stationiert werden sollten und eine Löschmannschaft aufgestellt werden muss. Die Gründung von zwei Löschgruppen erfolgte am 18. Februar 1951. Zehn Jahre später wurden diese sogar in die Eigenständigkeit als Freiwillige Feuerwehr Ringheim entlassen.

Die staatliche Gemeindegebietsreform wurde und am 1. Mai 1978 vollzogen. Im Rahmen dieser Reformen kamen die heutigen Ortsteile Pflaumheim und Wenigumstadt zum Markt Großostheim und damit auch ihre Freiwilligen Feuerwehren.

Die vier Feuerwehrführungen entschlossen sich schon damals, an Stelle eines organisatorischen Nebeneinanders selbständiger gemeindlicher Einrichtungen mit dem gleichen sachlichen Aufgabengebiet und sich zum Teil überschneidenden örtlichen Zuständigkeitsbereichen, zu einem sinnvollen Miteinander. Beschaffungen, Ausbildungen, Übungen und insbesondere die Alarm- und Einsatzplanung wurden gemeinsam erarbeitet und festgelegt.

Als Sprecher gegenüber der Gemeindeverwaltung wurde der Großostheimer Kommandant gewählt. Als dann am 1. Januar 1982 das neue Bayerische Feuerwehrgesetz in Kraft trat, in dem der Artikel 16 die Zusammenarbeit mehrerer Feuerwehren einer Gemeinde regelt, konnte so ein problemloser Übergang vom gewählten Sprecher auf die Verpflichtung eines federführenden Kommandanten erfolgen.

Auf einer gemeinsamen Sitzung der Feuerwehrführungskräfte von Großostheim und Pflaumheim am 10. Juli 1986 wurde ein freiwilliger Zusammenschluss der gemeindlichen Einrichtung „Feuerwehr“ vereinbart. Voraussetzung dafür war, dass die geplante neue zentrale Feuerwache an der „Pflaumheimer Sandkaute“ gebaut wird. Die Selbstständigkeit der Feuerwehrvereine war hiervon jedoch nicht betroffen.

Im Oktober 1990 zogen die Feuerwehren Großostheim und Pflaumheim in die neue zentrale Feuerwache ein.

Die Freiwillige Feuerwehr Ringheim schloss sich 1992 diesem Zusammenschluss an.

Der Bericht wurde recherchiert und verfasst von Herbert Steiner.