Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Großostheim

Der Anlass für die Gründung war, dass die Pflichtfeuerwehr 1867 bei einem Brand an der „Wern" zum Wiederholsten mal ihre Aufgabe nicht erfüllen konnte und zwei Scheunen mit Stallungen niederbrannten. Die Führung der damaligen Pflichtfeuerwehr Seilermeister Josef Wagner und Schmiedemeister Jakob Krimm regten unter dem Eindruck dieses Versagens an, eine „Freiwillige Feuerwehr“ ins Leben zu rufen.

Im Frühjahr 1868 beriefen sie daher eine Anzahl junger Ortsbürger ins Gasthaus »Zum Ochsen« zu einer Besprechung ein. Ihr Vorschlag, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, wurde sofort angenommen. Der eigentliche Gründungsakt dauerte noch bis zur Einberufung einer Gründungsversammlung im September 1868. Die Verpflichtung zum Feuerlöschdienst wurde mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr nicht aufgehoben und bestand auch weiterhin.

Gründungsmitglieder waren: Engelbert Jakob, Wilhelm Kress, Georg Ziegler, Valentin Frick, Ulrich Koch, Philipp Dahlem, Benedikt Volk, Anton Petermann, Gabriel Eichelsbacher, Nikolaus Löffler, Johann Kapraun, Johann Hock, Franz Josef Kapraun, Adam Kapraun, Jakob Kauf-mann (Hornist), Benedikt Ziegler, Ignaz Schüssler, Jakob Kornel, Joseph Brundo, Georg Ballmann, Jakob Ballmann, Adam Lutz, Jakob Josef Wagner, Valentin Lutz, Franz Jäger, Jakob Nöthig.

Die genaue Auflistung der Gründungsmitglieder liegt dem Autor leider nicht vor, weshalb die obige Auflistung einer Aufstellung aus dem Jahre 1929, über bis dahin verstorbene Gründungsmitglieder, entnommen wurde. Sicherlich waren auch Joseph Sattig, Schmiedemeister Jakob Krimm und Apotheker Richter die als Verantwort-liche der Pflichtfeuerwehr zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Großostheim aufgerufen hatten Gründungsmitglieder.

Als Führung wurden folgende Bürger gewählt: Franz Jäger als Kommandant, Jakob Nöthig als sein Adjutant (Stellvertreter) und Josef Sattig zum Spritzenführer.

In einem alten Sitzungsbuch der Marktgemeinde wurde festgehalten, dass der Gemeinderat am 18. Oktober 1868 beschlossen hat eine Freiwillige Feuerwehr in Großostheim zu gründen. Damit war die offizielle Gründung vollzogen. In das Vereinsregister der Gemeinde wurde die Freiwillige Feuerwehr dann am 14. November 1868 eingetragen.

Auszug aus dem Vereinsregister des Marktes Großostheim

In einer Jahresstatistik des damaligen „Bayerischen Landes-Feuerwehr Verbandes" und dessen „Kreis-Feuerwehr-Verbandes Unterfranken" (heute: „Bezirksfeuerwehrverband Unterfranken") und in den „Bezirks-Feuerwehr-Verbänden Alzenau und Aschaffenburg" (heute "Kreisfeuerwehrverband Aschaffenburg") wird auf Grund der Eintragung beim Amtsgericht Aschaffenburg der 28. Nov. 1868 als Gründungsdatum aufgeführt. Damit ist Großostheim nachweislich die älteste, amtlich registrierte „Freiwillige Feuerwehr" im heutigen Landkreis Aschaffenburg.

Die Freiwillige Feuerwehr Großostheim wurde gegründet zu einem Zeitpunkt, als Großostheim 3.056 Einwohner hatte.

Die mit vier Türmen besetzte Ortsmauer umschloss noch den Ort. Die von Torwächtern bewachten und nachts geschlossenen Torhäuser regelten den Ein- und Austritt.

Die Einführung der Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen war gerade erst ein Jahr her. Die Erlaubnis, ein Haus außerhalb der Ortsmauern zu erbauen, wurde erstmals, zwei Jahre später erteilt.

 

 

Auszug aus der Jahresstatistik des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes

Leider ist die Vereinssatzung aus dem Gründerjahr nicht mehr vorhanden. In den Anfangsjahren war die Zweiwertigkeit der Feuerwehr als gemeindliche Einrichtung und zugleich öffentlicher Verein nicht vorhanden. Die wenigen Geschäfte, als Vereinsführer wie das Abhalten der Generalversammlung und das Kassenwesen wurden vom Kommandant durchgeführt.

Offensichtlich wurde auch kein Schriftführer gewählt der ein Protokollbuch führte. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass das Protokoll durch einen Gemeindeschreiber geführt wurde. Die Suche danach im Gemeindearchiv war jedoch bisher erfolglos. Immer wieder fanden sich jedoch Unterlagen die diese These bestätigen. Erst 1925 legte der damalige Schriftführer Anton Herbig ein Protokollbuch der Feuerwehr an.

Das Spritzenhaus befand sich im damaligen Rathaus in der Bachstraße Hausnummer 306. 1884 war das über dreihundert Jahre alte Rathaus so baufällig, dass es nicht mehr genutzt werden konnte (Abriss 1887) noch bevor ein neues Rathaus gebaut werden konnte. Wo die Löschgeräte in der Zwischenzeit gelagert wurden ist nicht bekannt. Erst einige Jahre später, 1889, konnte die neue Unterbringungshalle für die Gerätschaften der Feuerwehr im Erdgeschoss des neu erbauten Rathaus in der Breitestraße bezogen werden. Für die Schlauchpflege wurde 1908 ein Schlauchturm in Fachwerkbauweise neben dem Rathaus erstellt.

Die Uniformierung bestand aus einem blauen Kittel mit rotem Paßpol, einer schwarzen Mütze ebenfalls mit roter Paßpol, einem ledergrauem Leibgurt und einem Messinghelm.

Folgende Löschgeräte der Pflichtfeuerwehr wurden übernommen:

1 große Druckspritze mit einem Kupferkessel, Baujahr 1802 (wurde in 1900 als Alteisen verkauft)
1 große Druckspritze, Baujahr 1848 (Fabrikat Metz, Heidelberg - heute noch vorhanden)
1 handgezogene Druckspritze und
1 einfache schwere Leiter (heute noch vorhanden und im Baugaumuseum zu besichtigen).

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde diese Ausrüstung wie nachfolgend aufgeführt ergänzt bzw. erneuert:

1869: Eine zweirädrige Druck-Handspritze, die auch tragbar war. Sie ist noch vorhanden.
Lieferant war die Firma A. Kirchmayer in München. Die Fabrikationsnummer ist die 243. Die Spritze war eine Spende der damaligen Brandversicherung. Ferner wurde ein Rettungssack zum Preis von 40 Gulden (fl) gekauft.

1877: Eine erste Auszugsleiter und eine Saugspritze sowie 40 Meter Schläuche wurden gekauft.

1881: Die erste Saug- und Druckspritze. Sie trägt die Fabrikationsnummer 2 und wurde von Christian Braun in Nürnberg (heute Faunwerke) hergestellt. Sie ist heute noch vorhanden.

V.l.n.r.: Saug- und Druckspritze von 1881, Handdruckspritze von 1869, Druckspritze von 1848

1895: Die erste mechanische Auszugsleiter, 50 Meter Schlauchmaterial, zwei fahrbare Schlauchhaspel und eine Löschspritze.

1898: Die zweite Saug- und Druckspritze wurde in Dienst gestellt. Auch sie ist heute noch vorhanden und kann in den Museumsräumen im damaligen Feuerwehrgerätehaus in der Kanzleistraße besichtigt werden.

1907: Eine Auflistung des Kreisfeuerwehrverband Unterfranken, die am 8. Februar 1907 erstellt wurde, weist folgendes aus:

Freiwillige Feuerwehrleute: 68
Pflichtfeuerwehrleute: 250
Helme und Blusen (Jacken): 85
Beile: 10
Axt: 1
Fuchsschwanzsäge: 2
Gurte: 70
Karabinerhaken und Leinen: 8
Laternen: 1
Signalhörner: 1
Sanitätstaschen: 1
Saugspritzen, vierrädrig: 2
Druckspritzen, vierrädrig: 1
Kleinere Saug-, Druckspritze: 1
Druckschläuche in Meter: 320
Schiebleiter fahrbar: 2
Dachleitern: 4
Hakenleitern: 2
Petroleumfackeln: 3
Feuerhaken: 6

Im Berichtsjahr 1907 wurden fünf Abteilungs- und zwei Gesamtübungen durchgeführt. Über die nähere Bezeichnung des Zustandes des Feuerhauses und der Wasserverhältnisse wurde folgendes festgehalten:

„Das Feuerhaus ist im guten Zustand und der Platz genügend. Der Bestand der
Wasserverhältnisse ist zur Zeit nicht genügend, wird aber durch die beabsichtigte
Einführung der Wasserleitung hierorts verbessert werden.“

1908: Eine weitere zweirädrige Schlauchhaspel verbesserte den Gerätebestand und ein Schlauchturm wurde im Rathaushof errichtet um welchen sich der damalige Bürgermeister Christian Klug verdient machte. Ferner wurde ein Schrank zum Aufbewahren der Uniformen beschafft.

Von den Einwirkungen des 1. Weltkrieges im August 1914 blieb auch die Feuerwehr Großostheim nicht verschont. 26 Feuerwehrleute wurden eingezogen. Die Übungen wurden eingestellt, nur einige Ältere, unter der Leitung von Johann Flügel, sorgten für die Instandhaltung der Geräte und versahen den Löschdienst. Nach Kriegsende kehrte nur langsam wieder die Normalität ein.

Der Bau der Wasserleitung, die schon 1906 in einem Sachverständigengutachten befürwortet aber wegen der hohen Kosten jedoch immer wieder verschoben wurde, veranlassten den Gemeinderat nach zwei Großbränden dem Bau endlich näher zu treten. 1920 brannten Scheune und Stallung und Nebengebäude in der Kanzleistraße - Bachgasse - Schlett­gäßchen - Schmalzgrube und 1924 in der Kanzleistraße zwei Wohnhäuser sowie mehrere Scheunen und Stallungen. Wegen turnusgemäßer Reinigungsarbeiten am Bachbett des Welzbach war dieser 1924 abgelassen und es stand kaum Löschwasser zur Verfügung.

Auch das Bezirksamt Aschaffenburg forderte nun vehement den Bau der zentralen Wasserversorgung und die Gemeinde kaufte eine Quelle im hessischen Mosbach. Vierhundert Haushalte wurden an das Leitungsnetz angeschlossen. In der Hochshohle wurde ein Hochbehälter mit 500 000 Liter Fassungsvermögen gebaut. Für Feuerlöschzwecke wurden Zehn Ober- und 90 Unterflurhydranten in das Leitungsnetz eingebaut.

1927: 500 Meter neues Schlauchmaterial wurde angeschafft und die Schraubgewinde an den vorhandenen Schläuchen wurden durch Storzkupplungen ersetzt. Ferner wurde durch die Anschaffung eines Hydrantenwagen samt allem Zubehör wurde der Löschgerätepark deutlich verbessert.

1928: Zur Schonung und leichteren Beförderung der benutzten Schläuche aus Hanf wurde ein ausziehbarer Schlauchwagen gekauft. Fabrikat: Mayer, in Leider. In einem Gerätekasten befanden sich Lampen, Fackeln, Oberflurhydrantenschlüssel und Strahlrohre.

1932: Der bisher offen Bachlauf des Welzbach, der auch nach dem Bau der Wasserleitung zur Löschwasserentnahme benutzt wurde, wurde wegen Hochwasserschutzmaßnahmen ab 1932 kanalisiert und überdeckt. Um ihn auch weiterhin als Löschwasserentnahmestelle nutzen zu können wurden sechs feste Saugstellen entlang der Bachstraße, mit der Möglichkeit den Bach zu stauen, eingerichtet.

Der Bericht wurde recherchiert und verfasst von Herbert Steiner.