Die Feuerwehr Großostheim im "Dritten Reich"

Die Politik des Jahres 1933 ist geprägt durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler im Deutschen Reich und dem damit verbundenen Ende der Weimarer Republik und dem Beginn des „Dritten Reichs“ am 30. Januar. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden Vereine und viele Einrichtungen gleichgeschaltet. Davon waren auch die Feuerwehren betroffen

Das preußische "Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 15. Dezember 1933 unterstellte die Berufsfeuerwehren, Freiwilligen Feuerwehren und Pflichtfeuerwehren der Ortspolizeiverwaltung und den Polizeiaufsichtsbehörden. Die Berufsfeuerwehren wurden in "Feuerlöschpolizei" und die Freiwilligen Feuerwehren in "Feuerschutzpolizei" umbenannt und die Dienstgrade denen der Polizei angepasst.

Großostheim hatte in diesen Jahren rund 4.000 Einwohner und bot ein überschaubares strukturiertes Ortsbild. Zwei sich kreuzende Hauptstraßen, die Breite Straße ("Braadgass") und die Bachstraße durchzogen das bebaute Gebiet innerhalb der Grabenstraße. Unter der Bachstraße floss der Welzbach seit 1933 in einem geschlossenen Kanal um das Hochwasser Innerorts einzudämmen. Die Breite Straße ging auf der Eichbrücke über den Welzbach hinweg.

Durch die Machtübernahme von Adolf Hitler gab es auch in der Großostheimer Feuerwehr immer mehr tiefgreifende Veränderungen. So wurden z.B. die "Appelle“ mit militärischem Drill durchgeführt wie die nachfolgenden Bilder einer Übung in der Bahnhofstraße mit der fahrbaren Schiebleiter deutlich zeigen.

Links vorne von der Leiter: Sebastian Ballmann
Rechts vorne von der Leiter: Ballmann Balth. u. Georg Flügel
Rechts außen: Anton Herbig
Links 1. Reihe: Johann Miesbach
Links 2. Reihe: Johann Schang

 

 

Die Feuerwehr Großostheim wurde seit 1926 vom Kommandanten Josef Eichelsbacher geführt der
bis 1942 von den Nazis geduldet wurde.

Ein Kreisfeuerwehrtag fand am 13. September 1936 in Großostheim statt.

Die Firma Metz (Karlsruhe) lieferte 1936 eine einachsige 2-teilige mechanische Leiter mit einer
Steighöhe von 12 Meter. Sie war bis 1974 im Einsatz und ist noch heute im Besitze der Feuerwehr.

Die von der NS-Diktatur initiierten Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung erreichten in der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ihren Höhepunkt. Die Ortspolizeibehörde (Kreisebene) und die Feuerwehren wurden angewiesen nicht gegen die verbrecherischen Brandstiftungen vorzugehen.

In Großostheim verlief diese Nacht jedoch nicht zur Zufriedenheit der Aschaffenburger NS-Führung. In den Abendstunden des 10. November jedoch rotteten sich Horden, verstärkt durch Aschaffenburger SS (Schutzstaffel), in Großostheim zusammen. Ihr Ziel war die Synagoge in der Breite Straße, die im rückwärtigen Bereich gebaut worden und von Fachwerkhäusern eingeschlossen war. Sie fiel nur deshalb nicht den Flammen zum Opfer, weil sonst auch Nachbaranwesen gebrannt hätten. Sie wurde jedoch zerstört.

Neues Feuerwehrgerätehaus

Am 22. Dezember 1938 erfolgte der Umzug von der Gerätehalle im Rathaushof in der Breitestraße, in das erste eigene Feuerwehrgerätehaus in der Kanzleistraße.

Verbesserungen gab es 1938 auch bei der Alarmierung. Zwei Sirenen wurden errichtet und zwar auf dem Rathaus in der Breitestraße und auf dem neuerbauten Feuerwehrgerätehaus.

Erste Motorspritze

Am 27. Juni 1939 hielt die Motorisierung mit der ersten Motorspritze (TS 8/8) Einzug in die Feuerwehr Großostheim. Sie war in einem geschlossenen einachsigen Tragkraftspritzenanhänger untergebracht in dem auch die entsprechenden Gerätschaften für einen Löschangriff gelagert waren. Fabrikat: Firma Balke, Frankenthal (TSA-TS 8).

70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Großostheim

Vom 8. bis 10. Juli 1939 wurde noch das 70jährige Gründungsfest gefeiert das eigentlich schon 1938 stattfinden sollte. Er wurde jedoch mit der Einweihung und Übergabe des neu erbauten Feuerwehrhauses in der Kanzleistraße verbunden. Die Einladungen waren unterschrieben:

"...Mit kameradschaftlichem Gruß                    

                 Heil Hitler                                                                          

     Dr. Korn               Eichelsbacher

Bürgermeister       Hauptbrandmeister..."

Der 1938 noch vorgesehene Seelengottesdienst am Montagmorgen, für die gefallenen und verstorbenen Feuerwehrleute, wurde auf dem Festprogramm 1939 nicht mehr aufgeführt. Von einer Einweihung wurde zwar immer noch gesprochen aber eine kirchliche Segnung sah das Programm nicht mehr vor!

Ein Hochwasser am 25. Februar 1940, das durch die rasche Schneeschmelze ausgelöst wurde, forderte die Feuerwehr im Bereich Unterwald und in der Pflaumheimer Straße.

Eine Besichtigung (Beurteilung) der Großostheimer Feuerwehr wurde durch Max Schiefer (Laufach) am 13. Juli 1941 vorgenommen. Am 27. Juli kamen unverhofft der Bezirksführer Tetter und Kreisführer Rothermich zur Besichtigung der Geräte und Ausrüstung nach Großostheim.

Ein zweite Motorspritze wurde 1941 gekauft. Typ: TS 8/8. Fabrikat: Metz.

Pumpennummer 4016/41. Motor: DKW-Zweitakter mit der Nummer: 1191897.

Da die Reihen der Feuerwehrmannschaft ziemlich geschwächt war, durch die vielen Einberufungen             zum Kriegsdienst, erging ein zweiter örtlicher Aufruf an alle Jahrgänge von 1885 - 1920. Geeignete Männer sollten sich zum Feuerwehrdienst verpflichten. Insgesamt wurden an zwei Abenden 50 Mann aufgenommen.

Die Feuerwehralarmierungen im Jahr 1941 wiesen zu erstmals neben zwei Kleinbränden auch Luftangriff durch die englische Luftwaffe aus. Am 22. und 23. Juli wurden Spreng- und Brandbomben im Unterwald in der Abteilung "Lauerseige" abgeworfen. Vermutlich sollten sie den Fliegerhorst auf dem Gelände des heutigen Ringheim treffen.

Georg Flügel wurde auf Befehl des Landrates Dr. Jörges 1942 zum Unterkreisführer und in seiner Funktion als Wehrführer vom Obertruppführer zum Haupttruppführer ernannt. Der bisherige Kommandant Josef Eichelsbacher wurde zum Ehrenkommandant ernannt.

Am 17. Mai 1942 wurde die Wehr durch Kreisführer Max Schiefer (Laufach) besichtigt. Am 19. Juli in Sailauf und am 8. November 1942 war jeweils ein Kreisfeuerehrappell. Ein weiterer Appell war am 2. August 1942, der Unterkreisführerappell in Großostheim.

Erstes Feuerwehrauto in Großostheim

Ein leichtes Löschfahrzeug (LLG) mit der Nummer 122/230 wurde am 30. Juli 1943 der Wehr per Bahnwaggon von der Firma Metz geliefert. Das Fahrgestell war von Daimler Benz.

Baugleiches LLG mit TSA

Da dieses Fahrzeug aus Gewichtsgründen (Gesamtgewicht 1,5 t) keine eigene Feuerlöschkreiselpumpe hatte, wurde die vorhandene Tragkraftspritze in ihrem einachsigen geschlossenen Anhänger mitgeführt.

Im geschlossenen Wagenaufbau waren alle feuertechnischen Ausrüstungsgegenstände hinter Türen gelagert. Auf dem Dach waren ein dreiteiliges Leitergerüst eine Krankentrage und das Reserverad untergebracht. Im Mannschaftsraum war Platz für neun Feuerwehrleute (eine Löschgruppe). Das Fahrzeug kam insbesondere in der Feuerwehr-Fernbereitschaft Aschaffenburg, die aus drei Löschgruppen mit jeweils drei Gruppen bestand, bei Luftangriffen zum Einsatz.

Schäden an der Winzergenossenschaft

Zu den 35 Feuerwehralarmierungen in 1943 gehörten erstmals sieben kriegsbedingte Ferneinsätze und der erste Bombenabwurf über Großostheim.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu:

"Dem Großostheimer Fliegerhorst galten die ersten Bombenabwürfe am 2. und 3. September über Großostheim. Sie gingen jedoch in der Nähe des heutigen Bachgaustadions nieder. Zahlreiche Brand- und Sprengbomben fielen in der Gegend der Marienstraße, des Friedhofes, der Pflaumheimer Straße und des Sportplatzes. Menschenleben waren nicht zu beklagen, aber Schäden an Gebäuden. So wurde das Dach der gerade erst neuerbauten Winzergenossenschaft teilweise abgedeckt."

1. Ferneinsatz vom 24. bis 25. September 1943 in der Bereitschaft Aschaffenburg nach Luftangriffen der Alliierten auf die Stadt Frankenthal (Pfalz).

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu: "Ein ganzer Tag und eine Nacht waren wir im Einsatz."

2. Ferneinsatz nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt am 04. Okt. 1943 Tagesangriff mit 150 - 200 Flugzeugen. Das Heddernheimer Kupferwerk wurde schwer beschädigt.

3. Ferneinsatz am 04. und 05. Oktober 1943 nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt-Oberrad Sachsenhausen und Offenbach. Nachtangriff mit 400 - 500 Flugzeugen.

4. Ferneinsatz am 14. und 15. Oktober 1943 nach Luftangriffen der Alliierten auf Schweinfurt. Um 14:10 Uhr griffen 228 B-17- Bomber die Stadt an. 106 Männer, 66 Frauen und 78 Ausländer kamen ums Leben.

5. Ferneinsatz am 23. Oktober 1943 nach Luftangriffen der Alliierten auf das Rüstungszentrum Kassel. Noch sieben Tage nach dem Angriff schlugen aus den Ruinen Flammen.

Luftalarm am 18. November 1943 von 19:45 - 21:45 Uhr.

Der Feuerwehrchronist vermerkte dazu:

"Abends umstellten feindliche Flieger den Ort mit roten Leuchtkugeln rechts und links des Babenhäuserweges, kurz vor dem Wald. Großostheim selbst blieb jedoch verschont. Auch der Fliegerhorst, dem der Angriff galt, wurde nicht getroffen. Die verderbenbringende Last ging auf das freie Feld, 1,5 km nordwestlich der Ortschaft nieder. Die gesamte Wehr lag wieder in der höchsten Alarmbereitschaft. Bei Tagesanbruch wurde das Gebiet dann durch die Feuerwehr abgesucht. Die Suche ergab 150 Stabbrand- und 26 Phosphorbrandbomben a 14 Kilogramm. Wäre davon der Ort selbst getroffen worden, so hätte das zu einer Katastrophe größeren Ausmaßes  geführt."

6. Ferneinsatz am 26. November 1943 nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt. Schwerer Angriff auf das Stadtgebiet, insbesondere auf die Altstadt. Nachtangriff mit 300 - 350 Flugzeugen.

7. Ferneinsatz am 20. - 21. Dezember 1943 nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt und Offenbach. Nachtangriff mit 260 Flugzeugen. Abgeworfen wurden 746 Spreng- und 275.000 Brandbomben.

Im Jahr 1944 wurde die Großostheimer Feuerwehr insgesamt 199 mal alarmiert!

8. Ferneinsatz am 29.- 30. Januar 1944 nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt. Schwerpunkt war der Stadtteil Sachsenhausen. Tagesangriff mit 500 - 600 Flugzeugen.

9. Ferneinsatz am 08. Februar 1944 nach Luftangriffen der Alliierten auf Frankfurt - Bockenheim mit 250 Flugzeuge. Abgeworfen wurden dabei 1.020 Spreng- und 2.500 Brandbomben.

10. Ferneinsatz am 25. und 26 Februar 1944 nach Luftangriffen auf Schweinfurt. 1.000 Bomberstaffel der US Air Force und der englische Royal Air Force luden in zwei Angriffswellen von 13:29 - 13:45 Uhr und von 22:59 - 23:55 Uhr 2.000 Phosphor- und 30.000 Stabbrandbomben, 10 Luftminen, 3.500 Spreng- und 800 Flüssigkeitsbrandbomben ab. Es gab 362 Tote und 7.309 ausgebombte Einwohner.

Bau eines Löschteiches

Infolge der erhöhten Luftangriffsgefahr durch die alliierte englische und amerikanische Luftwaffe hat es sich vielerorts gezeigt, dass Löschwasser fehlte. So entschloss man sich in Großostheim, rechts der Pflaumheimer Straße, unterhalb des Sportplatzes einen Löschwasserteich zu errichten.

Am Montag, den 6. März 1944 begannen in Gemeinschaftsarbeit der Großostheimer Bürger ein mehrwöchiger Erdaushub bei dem in 6.000 Arbeitsstunden über 1.600 cbm Erde bewegt wurden. Anschließend wurde in 18:35 Stunden mit 1.200 Zentner Zement die Wandung betoniert. Der Löschwasserteich hat folgende Ausmaße: 40 x 20 Meter und eine Tiefe von 2,5 Meter. Am 30. Juni waren alle Arbeiten abgeschlossen und ab 26. Juni mit Wasser aus dem Welzbach aufgefüllt. Nach 25 Stunden war der Löschteich vollgelaufen. Der Löschteich wurde nach dem 2. Weltkrieg Zug um Zug zum heutigen Freibad umgebaut.

Bau eines Kraftstoffbunkers

Im Hof des Feuerwehrgerätehauses in der Kanzleistraße wurde 1944 rechts der Straßenmauer, ein massiver Raum errichtet in dem die Benzin- und Ölreserven für die Motoren der Löschgeräte eingelagert wurden. Der Bau wurde im Rahmen von Renovierungsarbeiten im Jahr 1964 abgerissen.

11. Ferneinsatz am 18. - 19. März 1944 nach Luftangriffen auf Frankfurt und den Stadtteil Sachsenhausen. Großangriff auf das mit schwere Schäden und erheblichen Personenverlusten. Ein Nachtangriff mit rund 1.000 Flugzeugen. Abgeworfen wurden dabei 1.264 Spreng- und 1.200 000 Brandbomben.

12. Ferneinsatz am 24. März 1944 nach Luftangriffen auf das Stadtgebiet von Frankfurt a.M. mit 100 Flug-zeugen. Abgeworfen wurden dabei 237 Spreng- und 50.000 Brandbomben.

13. Ferneinsatz am 31. März 1944 nach Luftangriffe der Alliierten auf Schweinfurt.

14. Ferneinsatz am 25. April 1944 nach Luftangriff auf Stockstadt a.M. In den Unterlagen der Alliierten ist kein Luftangriff auf Stockstadt festgehalten, deshalb wird vermutet, dass es sich um einen vom Kurs abgekommenen Bomber handelte der von einem Nachtjäger angegriffen wurde. Um leichter entkommen zu können warf dieser vermutlich seine tödliche Fracht von Spreng- und Brandbomben im Ortskern und eine Luftmine in der Kettlerstraße ab. Alleine dort wurden sechs Häuser zertrümmert und im Umkreis von 400 Meter alle Häuser in Mitleidenschaft gezogen.

15. Ferneinsatz am 27. April 1944 nach Luftangriffen der Alliierten auf Schweinfurt.

Luftalarm am 27. September 1944 von 10:30 - 11:45 Uhr.

Der Feuerwehrchronist schrieb dazu: "Hierbei wurde in unserer Gemarkung zwischen Aschaffenburger Straße und Obernburger Straße (Langes Handtuch) 11 Sprengbomben, davon ein Blindgänger, abgeworfen."

Luftalarm am 29. September 1944 von 12:45 - 13:15 Uhr.

Der Feuerwehrchronist schrieb dazu: "Hierbei wurde der Großostheimer „Fliegerhorst im Tiefflug mit Bordwaffen der amerikanischen Jagdbomber (Jabos)angegriffen."

16. Ferneinsatz am 03. Oktober 1944 nach Luftangriffen mit sechs Mosquitos auf Aschaffenburg. Je drei Luftminen beim ersten Anflug um 20:25 Uhr und um 20:29 Uhr.

Luftalarm am 15. Oktober 1944 von 01:45 - 02:45 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu: "Es kam zu großen Luftgefechten über unserem Gebiet und zu Bombenabwürfen."

Voralarme und Luftalarme am 1. / 2. / 3. und 4. November 1944.

Der Feuerwehrchronist schrieb dazu: "Die Sirenen heulten bei Tag und Nacht. Es wurden in unserer näheren Umgebung mehrfach Verkehrsknotenpunkte sowie unser Fliegerhorste und sonstige wichtige Ziele von alliierten Fliegerverbänden angegriffen und zum großen Teil vernichtet."

Luftalarm am 18. November 1944 von 12:00 - 13:40 Uhr.

Der Feuerwehrchronist schrieb dazu:

"Heute wurde der Fliegerhorst Großostheim mit Jagdflugzeugen im Tiefflug angegriffen was zu einem erbitterten Kampf führte. Der Schaden am Fliegerhorst beschränkte sich auf einen in Brand geschossenen Schuppen."

17. Ferneinsatz am 21. November 1944 ein Großangriff der Alliierten auf Aschaffenburg und den Stadtteil Damm ab 19:13 Uhr. Der Einsatzauftrag lautete die Einrichtungen des Verschiebebahnhof zu zerstören.

18. Ferneinsatz am 23. November 1944 nach Luftangriffen auf Aschaffenburg.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu: "Um 19 Uhr trafen wir in Aschaffenburg ein und wurden erst am nächsten Tag um 18 Uhr entlassen"

Luftalarm am 11. Dezember 1944 von 19:10 - 20:15 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu:

"Infolge schlechter Sicht fielen einige Sprengbomben auf unseren Fliegerhorst, sowie mehrere Spreng- und Brandbomben im Oberwald rund um die Wendelinuskapelle."

19. Ferneinsatz am 12. Dez. 1944 nach Luftangriffen der Alliierten auf Aschaffenburg. Erstmals ein Tagesangriff von 12 bis 14:15 Uhr.   Auf Aschaffenburg wurden 87 Bomber angesetzt die 156,2 Tonnen Spreng- und 35,4 Tonnen Brandbomben abwarfen. Auch der Bergfried des Schlosses wurde getroffen und brannte.

Luftalarm am 24. Dezember 1944 von 13:30 - 16:30 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu:

"Bei diesem Alarm wurde unser Gebiet von alliierten Luftkampfverbänden schwer heimgesucht. Es wurden einige hundert Bomben abgeworfen. Es gab Tote und circa 10 Menschen wurden verwundet."

Luftalarm am 24. Dezember 1944 von 19:10 - 19:50 Uhr (Heilig Abend).

Bernd Hilla und die Co-Autoren Klaus Sauerwein, Peter Hepp berichten dazu folgendes im Main Echo:

"Die massive Luftangriffe englischer und amerikanischer Verbände waren die Folge auf die verstärkte Aktivität, die vom Großostheimer Fliegerhorst ausging. Den Angriff am Heiligabend 1944 wird der Soldat und später in Großostheim verheiratete Kurt Küpper nicht vergessen, als eine Bombe die Küchenbaracke zerstörte und die Würste den in den Splittergräben liegenden Soldaten um die Ohren flogen."

Luftalarm am 29. Dezember 1944 von 12:30 - 14:30 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu: "Bei diesem Alarm wurden zahlreiche Sprengbomben in der Gemarkung abgeworfen. In unserer Gemarkung wurden die Seibertwerke und das Wasserwerk von Aschaffenburg vernichtend getroffen."

20. Ferneinsatz am 29. Dez. 1944 nach Luftangriffen der Alliierten auf Aschaffenburg. Tagesangriff um 13:13 Uhr mit 68 Maschinen. Sie warfen 1.360 Bomben im Gesamtgewicht von 152 Tonnen im Zielgebiet ab. Das eigentliche Ziel, der Hauptbahnhof, hatte nur zwölf Volltreffer erhalten, dafür aber die Stadt große Schäden zu verzeichnen. Wieder waren Schloss, Stiftskirche und die Löwenapotheke getroffen worden und gingen in Flammen auf.

Im Jahr 1945 wurde die Großostheimer Feuerwehr insgesamt 56 mal alarmiert!

21. Ferneinsatz am 03. Januar 1945 nach einem Luftangriffen am 2. Januar auf Aschaffenburg mit 16 Tote und vielen Verwundeten.

Luftalarm am 05. Januar 1945 von 15:15 - 16:00 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu: "Bei diesem Luftalarm wurde unser Fliegerhorst angriffen. Dabei gab es zwei tote Soldaten."

22. Ferneinsatz am 07. und 08. Januar 1945 nach Luftangriffen der Alliierten auf Hanau a.M.

23. Ferneinsatz am 21. Januar 1945 von 11:50 Uhr. Luftangriffe auf den Fliegerhorst Großostheim und auf Aschaffenburg und Kleinostheim. Angriff mit 260 Maschinen. 67 davon erhielten den Auftrag die Panzerreparaturwerkstatt der Seibert-Werke anzugreifen die sie jedoch im dichten Schneetreiben mit Kleinostheim verwechselten. So fielen die 339 Spreng- und 396 Brandbomben in einem nur fünf Minuten dauernden Bombardement mit verheerender Wirkung auf Kleinostheim nieder.

Luftalarm am 09. Februar 1945 von 11:35 - 12:40 Uhr.

Unser Chronist Anton Herbig schrieb dazu: "Unser Fliegerhorst wurde dabei mit mehreren Bomben gelegt."

Erna Schmitt

Luftalarm am 17. Februar 1945 von 11:55 - 14:00 Uhr.

Der Feuerwehrchronist Anton Herbig schrieb dazu:

"Feindliche Luftkampfverbände warfen wahllos Bomben in unsere nähere Umgebung. Drei Fünfzentner Sprengbomben fielen ins Feld, eine vierte zerstörte den Eingang des Gasthauses „Zum Ochsen“ in der Breitestraße. Das Treppenhaus wurde vollständig und bei einer Anzahl nahe stehender Häuser wurden Fenster und Dächer zerstört.

Ebenso das große Hoftor des gegenüberliegenden Bauernhofes von Josef Hotz. Das Tor wurde aus den Torangeln gehoben und traf die einzige Tochter von Schneider Johann Schmitt und seiner Frau Maria Schmitt, die bei ihrem Onkel Josef Hotz ein Landjahr machte. Erna Schmitt, kam in das Krankenhaus nach Aschaffenburg und verstarb dort nach einigen Tagen an ihren schweren Verletzungen."

24. Ferneinsatz am 21. Februar 1945 nach Luftangriffen der Alliierten um 13:30 auf die Aschaffenburger Bahnanlagen.

25. Ferneinsatz am 25. Februar 1945 nach Luftangriffen ab 11:33 Uhr der auf Aschaffenburg. Zum Einsatz kamen 360 Flugzeuge. Hauptziel war wie immer der Hauptbahnhof. Wobei es dieses mal der entscheidende Angriff war. Der Hauptbahnhof war danach restlos blockiert. Allein an diesem Tag sind mehrere hundert Bomben auf den Bahnhof gefallen.

Die Luftan­griffe im März 1945 galten vor allem dem Großostheimer Fliegerhorst. Auf ihn gingen 87 schwere Bomben nieder, die insbesondere die noch nicht fertiggestellte Startbahn für Düsenjäger vernichtete. Am 14. März griffen die Amerikaner mit 87 mittelschweren Bombern Martin B-26 Marauder den Fliegerhorst erneut an und verwüsteten das Rollfeld.

Auch in Großostheim selbst, insbesondere in der Breite Straße und auf dem Marktplatz, herrschte Chaos, denn alliierte Tiefflieger griffen die flüchtenden deutschen Truppen immer wieder an. So lagen z.B. dort Pferdeleichen herum.

Der 25. März 1945 (Palmsonntag) war ein herrlicher Frühlingstag mit sommerlich warmen Temperaturen. Doch die Großostheimer bekamen schon morgens, um 7:15 Uhr das Nahen der US-Armee zu spüren. Jagdbomber hatten das Aschaffenburger Hafengebiet in Stadtteil Leider angegriffen und die Explosionen waren im gesamten Maintal zu hören und zu spüren.

Gegen 13 Uhr rückte aus Richtung Schaafheim kommend rückte die 4. Panzerdivision der 3. US-Armee auf Großostheim vor. Schon von weitem hörten die die Einwohner Großostheims das Dröhnen der Motoren. Zahlreiche Flugzeuge kreisen über dem Untermaingebiet. Das Heulen ihrer Motoren, die Explosionen der Bomben und das Geknatter der Bordwaffen verebbten erst nach 14 Uhr.

Großostheim wurde besetzt und es regierte die amerikanische Militärverwaltung, die ihr Hauptquartier zunächst in der Brauerei Eder hatte und später in die Pflaumheimer Straße 17 umzog.

Die Feuerwehrausrüstung und das Gerätehaus wurden beschlagnahmt. Die Feuerschutzpolizei wurde aufgelöst. Achsel-, Dienstgradabzeichen und weitere Nazi-Symbole mussten entfernt werden. Die Wehrführer während des Dritten Reiches, Georg Flügel und Anton Herbig, wurden verhaftet, aus der Feuerwehr ausgeschlossen und in das Entnazifizierungslager nach Hammelburg gebracht.

Das leichte Löschgerät (LLG) und der Anhänger mit der Tragkraftspritze verschwanden in den Nachkriegswirren und wurden später in Stuttgart wieder gefunden - aber nicht mehr zurückgegeben.

Der Feuerwehrdienst der über 40 freiwilligen Feuerwehrleute ruht mehrere Wochen.

Der erste Auftritt der Freiwilligen Feuerwehr Großostheim war die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession am 31. Mai 1945.

Am 3. Oktober 1945 wurde das Gerätehaus wieder übergeben.

Die erste Dienstversammlung fand am 7. Oktober 1945 statt und Anton Wagner wurde zum Kommandanten gewählt (Dienstzeit bis 1949).

Als Ersatz für die in Wirren bei Kriegsende verschollenen Löschgerätschaften wurde am 17. Oktober 1945 wurde eine gebrauchte Tragkraftspritze (TS 8/8), Baujahr 1942, in Benzheim/ Schönberg gekauft. Fabrikat: Magirus Typ C mit der Nummer 9715/1042. Sie hatte einen Breuer Zweitaktmotor mit Magnetzündung und 28 PS. Die Kühlung war eine indirekte Wasserkühlung. Gerätewart wurde Theo Wolfstätter.

Ferner konnten am 6. Dezember 1945 600 Meter Schlauchmaterial gekauft werden.

Der Bericht wurde recherchiert und verfasst von Herbert Steiner.