Von der dritten Gesamtübung zum Realeinsatz
Großostheim / Weibersbrunn. In den Sommerwochen verzichtet die Freiwillige Feuerwehr Großostheim für gewöhnlich eine Weile lang auf die wöchentlichen Ausbildungen der drei Übungslöschzüge. Stattdessen finden Großübungen statt, zu welchen darüber hinaus gegebenenfalls auch noch Nachbarfeuerwehren und Partnerorganisationen eingeladen werden. Die dritte der vier sogenannten "Gesamtübungen" fand am Mittwoch, dem 19.08.2026 gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Wenigumstadt und der BRK Bereitschaft Großostheim statt.
Industriebrand in Alzenau
Zunächst trafen sich die aktiven Einsatzkräfte um 19:00 Uhr für ein kurzes Briefing. Noch bevor die Übung starten konnte, alarmierte die Integrierte Leitstelle jedoch zu einem Maschinenbrand in Alzenau - auch ehrenamtliche Kräfte aus Großostheim waren angefordert. Ein Wechselladerfahrzeug mit dem Abrollbehälter Sonderlöschmittel machte ich auf den Weg, konnte jedoch etwa 10 Minuten später die Anfahrt abbrechen, nachdem sich herausstellte, dass alle Personen das Industriegebäude verlassen hatten und der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Die Großübung
Das Übungsszenario war spektakulärer: Als Uhrzeit solle man sich die Mittagszeit denken, hieß es zuvor im Briefing. Ansonsten bedurfte es wenig weiterer Vorstellungskraft: Ein Linienbus verunglückte offensichtlich frontal mit einem PKW. Der Unfallort war der Dellweg in Großostheim, gleich neben der Mittelschule. Der Linienbus war folglich voll mit Schülerinnen und Schülern, die über verschieden starke Schmerzen und Bewusstseinsstörungen klagten. Die Busfahrerin konnte ihren Platz nicht verlassen, die beiden Insassen des PKW waren eingeklemmt.
Das Szenario ist kein Standardfall. Es gibt ohnehin nicht den einen Plan, den der Einsatzleiter aus einer Schublade hervorholen kann, denn kein Einsatz ist wie der andere. Und das Ausmaß der Lage macht die Situation auch nicht einfacher. Trotzdem müssen jetzt schnell Entscheidungen mit Tragweite fallen. In der Sprache von Feuerwehr und Rettungsdienst, spricht man dann von einem MANV. Ein "Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten". Zunächst muss eine Sichtung durchgeführt werden. Wie viele Patienten gibt es? Wie schwer sind die Patienten verletzt? Wer ist gehfähig? Fragen über Fragen und weder Zeit noch Personal. Doch je mehr Einsatzkräfte eintrafen, desto schneller konnten Erfolge verbucht werden. Verletzte konnten der Reihe nach gerettet und zur weiteren Behandlung an die Kräfte des Rettungsdienstes übergeben werden. Die Eingeklemmten wurden mithilfe von hydraulischem Rettungsgerät aus ihrer Lage befreit. Nach X Minuten konnte die Übung schließlich erfolgreich beendet werden.
Realeinsatz in Weibersbrunn
Doch den Ehrenamtlichen blieb nicht viel Zeit zum Ruhen. Kaum war die Gesamtübung vorbei - der gemütliche Teil mit Essen und Getränken hatte gerade begonnen - lösten die Funkmeldeempfänger erneut aus. Und zwar zeitgleich bei den Kräften der Feuerwehr und der BRK-Bereitschaft. Das Schlagwort liest sich extrem selten: MANV. Diesmal aber nicht im Dellweg in Großostheim, sondern in Weibersbrunn. Und es handelte sich auch nicht um Verletzte nach einem Busunfall, sondern um über 30 Erkrankte in einem Hotel, vermeintlich infiziert mit dem Norovirus. Die Feuerwehr Großostheim war mit drei Fahrzeugen und dem Abrollbehälter Rettung alarmiert, nötig waren dafür insgesamt 13 Einsatzkräfte. Eingesetzt wurden aber weder das Personal noch das Material, denn nach einer längeren Verweilzeit im Bereitstellungsraum wurde von der Einsatzleitung der Entschluss gefasst, dass hinreichend rettungsdienstliche Einsatzmittel bereitstehen und die Feuerwehr Großostheim nicht länger in Weibersbrunn benötigt wird. Für die Feuerwehr Großostheim konnte der Einsatz nach etwa 1,5 Stunden beendet werden.