Feuerwehr Großostheim: Brandkatastrophen wie in Crans-Montana verstehen
Großostheim. Es ist noch nicht lange her, als es in Crans-Montana in der Schweiz brannte. Ein Tischfeuerwerk hatte in einer Bar die Deckenverkleidung in Brand gesetzt, vermutlich war sie aus dem Kunststoff Polyurethan. Viele Gäste filmten das Geschehen - und versuchten sich zu spät in Sicherheit zu bringen. Doch wieso konnte der Brand überhaupt derart eskalieren? Die Feuerwehr Großostheim untersuchte am vergangenen Donnerstag (15.01.2026) experimentell, aus welchen Materialien Deckenverkleidungen häufig hergestellt sind, und wie sie sich während eines Brandes verhalten.
Der pensionierte Berufschemiker Wolfgang Rollmann, im Landkreis Aschaffenburg für die Feuerwehren auch als "Fachberater Chemie" im Dienst, brachte einige Beispiele mit. Selbstverständlich ist es nicht möglich, aus der Ferne und nur mit der Kenntnis von Presseberichten zuverlässige Angaben zum detaillierten Geschehen in der Schweiz zu treffen. Zum Vergleich hatte Rollmann daher einen ähnlichen Brand aus einer brasilianischen Disco im Januar 2013 herangezogen, bei dem die Untersuchungen zur Brandursache und zum Brandverlauf abgeschlossen sind. Fakt ist allemal: Hartschäume aus Polystyrol und Polyurethan - häufig genutzt zur Wärme- oder Schalldämmung - sind grundsätzlich leicht entflammbar. Sie können aber mit Zusatzstoffen gemischt werden, die es schwer entflammbar machen; sobald eine vorhandene Zündquelle also vom Material entfernt wird, erlischt es dann wieder von selbst. Eine Reihe sehr interessanter Brandversuche mit bearbeiteten und unbearbeiteten Dämmstoffen aus Polystyrol und Polyurethan (häufig auch verwendet in Formteilen, Matratzen und Möbeln) machten den gravierenden Unterschied greifbar. Was die Behandlung dieser Materialien im Detail bewirkt, kann sich durch chemische oder physikalische Reaktionen zeigen: Verkohltes Material kann sich als Schutzschicht auf dem Kunststoff ablagern und so den weiteren Abbrand verhindern. Flammschutzmittel können direkt in die Kettenreaktion der Verbrennung eingreifen und diese abbrechen. Eine weitere physikalische Eigenschaft von Brandschutzmitteln ist die Freisetzung von Wasser, das den Brand unmittelbar kühlt.
Bei weiteren Experimenten wurde auch die entstehenden Rauchgase bei Kunststoffbränden näher untersucht. Dieser stellt aufgrund der erstickenden, reizenden und giftigen Gase nicht bloß die wesentliche Todesursache bei Bränden dar, sondern kann auch noch brennbare Gase (Pyrolysegase) enthalten, die dann ab etwa 600 °C Raumtemperatur zu einem plötzlichen Flash Over (Rauchgasdurchzündung) führen können. Dabei breitet sich ein vermeintlich überschaubares Feuer in einem Raum schlagartig überall aus, Laien verwechseln dieses Phänomen häufig mit einer Explosion.




